TRAINER GOLDI ÜBER SEINE ERSTEN MONATE IN ROßDORF
Goldi, du hast die Mannschaft zum Jahresende übernommen. Mit welchem Eindruck bist du damals gestartet und wie hast du den Verein sowie das Umfeld in den ersten Wochen und Monaten wahrgenommen?
Ich bin vom Verein sehr positiv aufgenommen worden. Die Mannschaft spielt ja schon Jahre in dieser Konstellation zusammen, daher wusste ich was mich erwartet. Das sind alles gute Jungs, die Lust haben miteinander Fußball zu spielen. Dieser Zusammenhalt in der Kabine ist schon etwas Besonderes und das war für mich auch ein Hauptgrund nach Roßdorf zu gehen.
Du bist auch privat in unser schönes Roßdorf gezogen. Wie hast du dich bisher eingelebt?
Ich habe mich gut eingelebt. Als gebürtiger Hanauer find ich es aber immer wieder witzig was Dorfleben eigentlich bedeutet. Da bleibt nichts verborgen. dass man morgens beim Bäcker darauf angesprochen wird, ob man Vater geworden ist, weil man mit seiner Nichte spazieren war.
Wenn man eine Mannschaft mitten in der Saison übernimmt, versucht man zunächst viel zu beobachten. Was ist dir in den ersten Trainingseinheiten und Gesprächen mit den Spielern besonders aufgefallen – vor allem in Bezug auf Stärken und Schwächen?
Durch die vielen negativen Ergebnisse war die Mannschaft sehr verunsichert. Der Mannschaft ging es hauptsächlich um Fehlervermeidung und haben nach dem Motto „Hoch und weit bringt Sicherheit“ gespielt. Den Jungs fehlte der Mut ins Risiko gehen. Das aus den Köpfen zu kriegen war ein langer Prozess. Meine Hauptaufgabe bestand also darin ihnen neues Leben einzuhauchen und neues Selbstvertrauen aufzubauen.
Die personelle Situation ist aktuell nicht ganz einfach, sodass du ungeplant auch die Rolle als Spielertrainer übernehmen musst und selbst auf dem Feld stehst. Wie versucht ihr die Ausfälle der verletzten Spieler zu kompensieren und inwiefern hat das deine ursprünglichen Planungen verändert? Wir haben mit Fabian Tement und Darren Röll zwei Spieler von der 2. Mannschaft hochgezogen. Gerade Darren ist einer, der sich voll reinhängt und immer alles gibt. Ansonsten bleibt uns momentan nicht viel übrig als die Situation so zu akzeptieren wie sie ist. Jammern hilft da nicht weiter und ändern können wir es eh nicht, also versuchen wir das Beste daraus zu machen.
Wie erlebst du die Rolle als Spielertrainer und wie schwierig ist es, während des Spiels gleichzeitig auch die Trainerperspektive einzunehmen? Christian Recke übernimmt nach seiner erneuten bitteren Verletzung dabei die Rolle als Co‑Trainer. Wie läuft die Absprache während des Spiels mit ihm und wie zufrieden bist du mit der Zusammenarbeit?
Dadurch, dass ich die Spielertrainerrolle schon in Niederrodenbach hatte, kenne ich die Situation. Gerade wenn man auf dem Feld ist, ist es wichtig, dass man außen jemanden hat, auf dem man sich verlassen kann und da vertraue ich Christian zu 100%. Während dem Spiel kümmere ich mich hauptsächlich um mein Spiel, während Christian die Trainerrolle übernimmt. Wenn die Spielsituation es zulässt, besprechen wir uns zwar kurz und stimmen uns über mögliche Wechsel ab, aber ansonsten hat Christian da freie Hand.
Zum Start ins neue Jahr gab es zwei Unentschieden gegen direkte Konkurrenten. Wie ordnest du diese Ergebnisse und die Leistungen deiner Mannschaft ein? Mit der 1. Halbzeit gegen Oberrodenbach war ich sehr zufrieden. Wir haben nicht ein Torschuss zugelassen und hatten das Spiel unter Kontrolle. Das einzige was gefehlt hat, war das 2. Tor. In der 2. Halbzeit sind wir in alte Muster zurückgefallen. Wir haben aufgehört Fußball zu spielen und nur noch lange Bälle gespielt. Dadurch haben wir den Gegner unnötig stark gemacht. Es war dann nur eine Frage der Zeit bis wir das 1:1 kassieren. Nach dem 1:1 haben wir wieder mehr Fußball gespielt und kamen dann auch wieder zu Torchancen. Im Endeffekt war es ein gerechtes Unentschieden. Gegen Großauheim war ich mit der Art und Weise wie wir Fußball gespielt haben zufrieden. Vom spielerischen Aspekt war es eine Steigerung gegenüber dem Oberrodenbach Spiel. Wir hatten um die 60% Ballbesitz, haben den Ball besser Laufen lassen und haben unseren Fußball 90 Minuten durchgezogen. Im letzten Drittel hat uns etwas die Durchschlagskraft gefehlt, wodurch ich mit dem Punkt leben kann. Wenn man allerdings in der 95. Minute einen Elfmeter verschießt muss man von 2 verlorenen Punkten reden. Positiv ist, dass wir seit 4 Spielen ungeschlagen sind und ich bin optimistisch, dass wir die Serie heute ausbauen. Für die Jungs würde mir wünschen, dass sie sich für den Aufwand, den sie betreiben, endlich mit 3 Punkte belohnen.
Die Wintervorbereitung war durch Schnee und schwierige Platzverhältnisse alles andere als ideal. Wie hast du diese Phase erlebt und wie habt ihr die Zeit trotzdem sinnvoll genutzt bzw. improvisiert? Die Wintervorbereitung lief alles andere als optimal. Wir haben trotzdem versucht das Beste daraus gemacht. Wir hatten Crossfit Einheiten im Fitnessstudio, haben Intervallläufe im Stadion oder auch Dauerläufe durch die Stadt gemacht. Trotzdem ersetzen sie natürlich nicht die Einheiten auf dem Platz.
Die Vorbereitungsspiele waren sehr torreich – im Schnitt fielen rund sieben Tore pro Partie, darunter allerdings auch einige Gegentreffer zu viel. Welche Erkenntnisse hast du aus diesen Spielen gezogen?
Für den neutralen Zuschauer waren es die besten Spiele. Es sind viele Tore gefallen und kein Vorsprung war sicher. Aus Trainersicht wünscht man sich natürlich keine 4 Gegentore pro Spiel und teilweise war es auch echt zum Haare raufen, wie wir die Tore kassiert haben. Positiv war allerdings, wie wir unsere Tore geschossen haben. Teilweise haben wir über 7-8 Stationen die Tore herausgespielt. Da hat man dann auch gesehen wie es gehen kann.
Man erkennt bereits gewisse Ansätze in der Spielweise deiner Mannschaft. Wie würdest du deine grundsätzliche Spielphilosophie beschreiben und für welchen Fußball möchtest du mit deinem Team stehen?
Grundsätzlich möchte ich, dass meine Mannschaft Fußball spielt. Viel Kurzpassspiel, viel Steil-Klatsch und viel Ballbesitz. Ich bin mir bewusst, dass meine Art und Weise Fußball spielen zu lassen anfälliger für Fehler ist, da mehr Ballbesitz, mehr Risiko ist. Mit mehr Ballbesitz, hat man aber auch mehr Möglichkeiten. Man kann mit mehr Ballbesitz das Spiel besser diktieren.
Aber ich bin auch ehrlich, nach den vielen Gegentoren in der Vorbereitung habe ich mich kurz mit dem Gedanken erwischt Catenacio spielen zu lassen und einfach den Bus vor dem eigenen 16er zu parken. Ich kann aber nicht von meinen Jungs verlangen, mutig Fußball zu spielen, nur um beim ersten Rückschlag selber destruktiven Fußball spielen zu lassen.
Letzte Saison schielte man mit dem exakt gleichen Kader noch auf die Aufstiegsplätze in Richtung Gruppenliga. In dieser Spielzeit geht es eher darum, sich von den Abstiegsrängen fernzuhalten. Woran liegt es deiner Meinung nach, dass die Saison bislang so unterschiedlich verläuft? Letzte Saison war es so, dass das Auftaktprogramm sehr dankbar war. Man hat sich dann in einen Flow gespielt und viele Dinge liefen von alleine. Letzte Saison haben auch noch Chris und Mike gespielt, die zusammen um die 30 Tore hatten. Für uns sind das 2 sehr wichtige Spieler, die leider die ganze Saison verletzungsbedingt fehlen.
Der Klassenerhalt ist damit das große Ziel für die restliche Saison. Was braucht die Mannschaft in den kommenden Wochen, um dieses Ziel zu erreichen?
Punkte 😉 Aber abgesehen von Punkte brauch die Mannschaft den glauben an sich selber. Wir haben Qualitäten, aber stehen uns teilweise selbst im Weg. Das aus den Köpfen zu kriegen, wird das wichtigste sein.
